Ein Impfstoff gegen Erkältungen

Es wird geforscht: Eine Impfung gegen Erkältungen.Eine Impfung gegen Erkältungen – das wäre ein Traum. Dieser Traum könnte durchaus eines Tages wahr werden. An der Erforschung und Entwicklung eines Impfstoffes wird mit Hochdruck gearbeitet. Hoffnung setzen die Wissenschaftler vor allem deswegen in ihre Arbeit, weil selbst eine banal erscheinende Erkältung schwere Erkrankungen nach sich ziehen kann.

Erkältung – Auslöser einer Vielzahl von Viren

Viele unterschiedliche Viren, die Erkältungen auslösen können, waren lange Zeit Grund dafür, dass eine Impfung gegen Erkältungen als ausgeschlossen galt. Zwar sind die Hauptschuldigen Rhinoviren des Stammes Picoraviridae – allein hier machen aber über 150 Serotypen, also Unterarten, die Entwicklung eines Impfstoffes problematisch. Weitere Pathogene neben den Rhinoviren sind Coronaviren, Boca-Viren, Parainfluenzaviren, menschliche Adenoviren und das humane Respiratorische Synzytial-Virus. Damit ein Impfstoff wirksam werden kann, müssen also möglichst viele dieser Viren durch ihn angreifbar sein.

Fünf Jahrzehnte Impfstoffentwicklung gegen Schnupfenviren

Die Wissenschaft war dabei im letzten halben Jahrhundert keineswegs untätig. So wurde in den 1960ern an der Emory-Universität in Atlanta bestätigt, dass gegen einen bestimmten Serotypen Vakzine entwickelt werden können. Leider schützen sie nur gegen diesen einen Typ. Bei der Vielzahl der Viren war damit noch nichts gewonnen. Die Forscher begannen deshalb mit der Herstellung eines wahren Cocktails. Dazu wurden 25 inaktivierte Rhinoviren bzw. 50 Serotypen kombiniert. Es waren jedoch Tierversuche, in denen die Reaktion getestet wurde. Allerdings mit nicht zufriedenstellendem Erfolg. Es wurden Antikörper erzeugt. Nicht getestet wurde aber, ob diese letztendlich auch vor einer Infektion durch Rhinoviren schützen würden. Die Forscher der Emory-Universität sehen die nächsten Schritte darin, die Wirksamkeit des Impfstoffes an Freiwilligen zu testen.

Fortschritte gegen Respiratory-Syncytial-Viren

Auch beim Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) zeichnen sich Fortschritte in der Entwicklung von Vakzinen ab. Hier sind es die Erreger, die zu der Familie Pneumoviridae gehören, die heftige Erkältungen mit Husten und schwer verlaufenden Mittelohrentzündungen mit sich bringen. Diese schweren Verläufe treten vor allem bei Säuglingen und älteren Personen auf. Weitere Komplikationen wie Lungenentzündungen sind ebenfalls häufig Folgen einer solchen Virusinfektion. Auch für chronisch Kranke kann eine Erkältung eine starke Belastung darstellen.

Deshalb wäre es besonders beim RSV wichtig, dass er zuverlässig ausgeschaltet werden kann. Sechs weitere Impfstoffentwicklungen sind bereits seit 2016 in der klinischen Phase. Ebenso wird bei Glaxo-Smith-Kline an einem Impfstoff gegen Erkältung, speziell für Mütter, gearbeitet. Astra Zeneca verfügt über einen Vakzinekandidaten für Senioren, der ebenfalls in der zweiten Entwicklungsphase ist.

Problempunkt Geld – Produktion von Impfstoff eingestellt

Für anfällige Patienten sicher kaum nachvollziehbar ist, dass die Produktion eines bereits beim amerikanischen Militär eingesetzten Impfstoffes gegen humane Adenoviren, wieder eingestellt wurde. Still, und zumindest in Europa kaum diskutiert, wurde seit 1995 von der Herstellung aus wirtschaftlichen Gründen Abstand genommen.

Und so bleibt zwar die Hoffnung, dass die Wissenschaft in absehbarer Zeit in der Lage sein wird, einen Impfstoff herzustellen. Für die kommende Wintersaison heißt es aber nach wie vor, verstärkt auf präventive Maßnahmen wie gesunde, vitaminreiche Ernährung, Abhärtung und vor allem Hygiene durch häufiges Händewaschen mit Seife zu setzen.